Notar oder Rechtsanwalt? Die wichtigsten Unterschiede (2026)

Inhaltsverzeichnis

Erfahren Sie, worin sich Notare und Rechtsanwälte in Österreich unterscheiden und an wen Sie sich in welcher Situation wenden sollten.

Notar oder Rechtsanwalt – Wo liegt der Unterschied?

Einleitung

Wer zum ersten Mal rechtliche Unterstützung benötigt, stellt sich häufig dieselbe Frage: Soll ich zu einem Notar oder zu einem Rechtsanwalt gehen?

Beide Berufe beschäftigen sich mit rechtlichen Angelegenheiten und verfügen über eine umfassende juristische Ausbildung. Dennoch unterscheiden sich ihre Aufgaben, Befugnisse und Tätigkeitsbereiche in wesentlichen Punkten. Während manche Angelegenheiten ausschließlich von einem Notar durchgeführt werden können, ist in anderen Fällen ein Rechtsanwalt die richtige Ansprechperson.

Gerade bei wichtigen Entscheidungen – etwa beim Kauf einer Immobilie, der Errichtung eines Testaments oder einer Vorsorgevollmacht – ist es hilfreich zu wissen, welche Unterstützung Sie erwarten können und an wen Sie sich wenden sollten.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Aufgaben Notare und Rechtsanwälte in Österreich übernehmen, worin die wichtigsten Unterschiede liegen und welche Ansprechperson in typischen Alltagssituationen die richtige Wahl ist.


Was haben Notare und Rechtsanwälte gemeinsam?

Auf den ersten Blick wirken die beiden Berufe sehr ähnlich. Sowohl Notare als auch Rechtsanwälte sind juristisch ausgebildete Experten und beraten Menschen in rechtlichen Fragen.

Zu ihren gemeinsamen Aufgaben gehören unter anderem:

  • rechtliche Beratung
  • Erstellung und Prüfung von Verträgen
  • Unterstützung bei wichtigen rechtlichen Entscheidungen
  • Erklärung komplexer Rechtsfragen in verständlicher Form
  • Begleitung bei rechtlich bedeutsamen Angelegenheiten

Beide Berufe unterliegen außerdem strengen gesetzlichen Berufspflichten und der Verschwiegenheit. Informationen, die Sie im Rahmen einer Beratung preisgeben, werden grundsätzlich vertraulich behandelt.

Trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sich ihre Aufgabenbereiche deutlich.


Welche Aufgaben hat ein Notar?

Ein Notar ist eine unabhängige öffentliche Amtsperson. Seine Aufgabe besteht darin, Rechtsgeschäfte rechtssicher zu begleiten, Urkunden zu errichten und bestimmte Vorgänge zu beurkunden oder zu beglaubigen.

Dabei steht der Notar grundsätzlich nicht auf der Seite einer einzelnen Partei, sondern achtet darauf, dass alle Beteiligten über die rechtlichen Folgen informiert sind und ihre Erklärungen wirksam abgegeben werden.

Typische Tätigkeiten eines Notars sind:

  • Beglaubigungen von Unterschriften
  • Errichtung von Notariatsakten
  • Beurkundung bestimmter Rechtsgeschäfte
  • Errichtung von Testamenten
  • Vorsorgevollmachten
  • Unterstützung bei Verlassenschaftsverfahren
  • Abwicklung von Immobilienkäufen
  • Gründung bestimmter Gesellschaften

Je nach Angelegenheit schreibt das Gesetz sogar ausdrücklich die Mitwirkung eines Notars vor.


Beispiel aus dem Alltag

Herr und Frau M. kaufen gemeinsam eine Eigentumswohnung. Für die Abwicklung des Kaufvertrags, die treuhändige Verwahrung des Kaufpreises und die Eintragung im Grundbuch wird häufig ein Notar beauftragt.


Welche Aufgaben hat ein Rechtsanwalt?

Rechtsanwälte vertreten die Interessen ihrer Mandanten und beraten sie in sämtlichen rechtlichen Angelegenheiten.

Im Unterschied zum Notar handelt ein Rechtsanwalt ausschließlich im Interesse der Person, die ihn beauftragt hat.

Zu den typischen Aufgaben gehören:

  • rechtliche Beratung
  • Vertretung gegenüber Behörden
  • Vertretung vor Gericht
  • Verhandlungen mit der Gegenseite
  • Erstellung und Prüfung von Verträgen
  • Geltendmachung oder Abwehr von Ansprüchen
  • Unterstützung bei Konflikten und Streitigkeiten

Vor allem dann, wenn unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen oder ein Rechtsstreit droht, ist häufig ein Rechtsanwalt die richtige Ansprechperson.


Beispiel aus dem Alltag

Frau K. erhält eine Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses und ist unsicher, ob diese rechtmäßig ist. Ein Rechtsanwalt kann ihre Ansprüche prüfen, sie beraten und – falls erforderlich – vor Gericht vertreten.


Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

NotarRechtsanwalt
Unabhängige öffentliche AmtspersonVertreter der Interessen seines Mandanten
Berät alle Beteiligten neutralVertritt ausschließlich die beauftragte Partei
Kann Beglaubigungen und bestimmte Beurkundungen durchführenKann Mandanten umfassend vertreten und Ansprüche durchsetzen
Übernimmt häufig vorsorgende RechtsgestaltungUnterstützt insbesondere bei Konflikten und Streitigkeiten
In manchen Fällen gesetzlich vorgeschriebenFrei wählbare Vertretung in rechtlichen Angelegenheiten

Wann sollten Sie einen Notar aufsuchen?

Ein Notar ist häufig die richtige Ansprechperson, wenn eine Angelegenheit rechtlich abgesichert oder formell beurkundet werden muss.

Typische Beispiele sind:

  • Sie benötigen eine beglaubigte Unterschrift.
  • Sie möchten ein Testament errichten.
  • Sie möchten eine Vorsorgevollmacht erstellen.
  • Sie kaufen oder verkaufen eine Immobilie.
  • Für Ihr Rechtsgeschäft ist ein Notariatsakt gesetzlich vorgeschrieben.

Gerade bei vorsorgenden Rechtsgeschäften steht die rechtssichere Gestaltung im Mittelpunkt.


Wann ist ein Rechtsanwalt die richtige Wahl?

Ein Rechtsanwalt unterstützt Sie insbesondere dann, wenn Sie Ihre rechtlichen Interessen durchsetzen oder sich gegen Ansprüche anderer verteidigen möchten.

Typische Situationen sind:

  • Streit mit dem Arbeitgeber
  • Scheidung oder Unterhaltsfragen
  • Schadenersatzforderungen
  • Verkehrsunfälle
  • Mietstreitigkeiten
  • Vertragsstreitigkeiten
  • Erbrechtliche Auseinandersetzungen
  • Vertretung vor Gericht

Auch wenn Sie unsicher sind, welche Rechte Sie haben oder welche Schritte sinnvoll sind, kann eine anwaltliche Beratung helfen, die Situation besser einzuschätzen.


Kann man sowohl einen Notar als auch einen Rechtsanwalt benötigen?

Ja. In manchen Fällen ergänzen sich beide Berufe.

Beispiel: Immobilienkauf

Beim Kauf einer Immobilie kann ein Rechtsanwalt den Kaufvertrag im Interesse seines Mandanten prüfen und dessen Interessen vertreten.

Für bestimmte formelle Schritte oder die treuhändige Abwicklung kann zusätzlich ein Notar eingebunden werden.

Welcher Weg im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der konkreten Situation ab.


Fazit: Wer ist die richtige Ansprechperson?

Ob Sie einen Notar oder einen Rechtsanwalt benötigen, hängt vor allem davon ab, worum es in Ihrem konkreten Fall geht.

Geht es um die neutrale Beurkundung oder Beglaubigung eines Rechtsgeschäfts oder um gesetzlich vorgeschriebene Formvorschriften, ist häufig ein Notar die richtige Wahl.

Stehen hingegen Ihre individuellen Interessen im Vordergrund oder besteht bereits ein Konflikt beziehungsweise droht ein Rechtsstreit, ist in vielen Fällen ein Rechtsanwalt der passende Ansprechpartner.

Wenn Sie unsicher sind, welche Unterstützung Sie benötigen, kann bereits ein erstes Beratungsgespräch helfen, den richtigen Weg zu finden.


FAQ

Kann mich ein Notar vor Gericht vertreten?

Nein. Die Vertretung vor Gericht gehört grundsätzlich zu den Aufgaben von Rechtsanwälten. Ein Notar übernimmt vor allem vorsorgende und beurkundende Tätigkeiten.


Ist ein Notar günstiger als ein Rechtsanwalt?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Kosten hängen von der jeweiligen Leistung, dem Umfang der Tätigkeit und den gesetzlichen beziehungsweise vereinbarten Honoraren ab.


Wer erstellt ein Testament?

Ein Testament kann grundsätzlich auch ohne Notar oder Rechtsanwalt errichtet werden, sofern die gesetzlichen Formvorschriften eingehalten werden. Viele Menschen lassen sich dabei jedoch beraten, um Fehler zu vermeiden. Sowohl Notare als auch Rechtsanwälte können bei der rechtssicheren Gestaltung unterstützen.


Wer beglaubigt eine Unterschrift?

Beglaubigungen gehören zu den klassischen Aufgaben eines Notars. Je nach Art der Beglaubigung können auch andere Stellen zuständig sein.


Wer hilft beim Immobilienkauf?

Je nach Situation können sowohl Notare als auch Rechtsanwälte eine wichtige Rolle spielen. Während der Notar häufig die formelle Abwicklung begleitet, kann ein Rechtsanwalt die Interessen einer Vertragspartei vertreten und den Kaufvertrag prüfen.


Zusammenfassung

  • Notare und Rechtsanwälte verfügen beide über eine juristische Ausbildung und beraten in rechtlichen Fragen.
  • Notare handeln als unabhängige öffentliche Amtspersonen und begleiten viele vorsorgende Rechtsgeschäfte.
  • Rechtsanwälte vertreten ausschließlich die Interessen ihrer Mandanten.
  • Bei Streitigkeiten oder Gerichtsverfahren ist in der Regel ein Rechtsanwalt die richtige Ansprechperson.
  • Für Beglaubigungen oder bestimmte gesetzlich vorgeschriebene Rechtsgeschäfte ist häufig ein Notar zuständig.
  • In manchen Fällen arbeiten beide Berufe ergänzend zusammen.

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